Menü Schließen

Entspannt und präzise über Sex reden

Unsere Gesellschaft hat ein ziemlich grosses Problem. Wir haben keine angemessene Sprache, um entspannt und präzise über Sex zu reden.

Im Grunde haben wir vier Möglichkeiten bei unserer Wortwahl:

  • Wir verwenden die medizinische Sprache und sagen Penis, Koitus und Labia minora. Diese ist angeblich unbedenklich, sicher und jederzeit angemessen. Doch kannst du dir vorstellen, dass dir ein potenzieller Partner angeregt ins Ohr flüstert: „Ich hätte wahnsinnig gerne Geschlechtsverkehr mit dir?“ Oder kannst du dir vorstellen freudig „Ja!“ zu rufen, wenn man dich fragt, ob du den „Cunnilingus“ beherrscht? Auch können medizinische Ausdrücke missbraucht werden, indirekt eine Machtposition deutlich machen. Fachausdrücke vermitteln manchen Leuten nicht nur ein geringes Selbstwertgefühl, in einigen von ihnen spiegelt sich auch eine Jahrtausende alte Sexualfeindlichkeit wieder. Wenn wir uns die Mühe machen, nach deren Wurzeln zu suchen, entdecken wir nicht selten eine versteckte Negativbotschaft. Eines der Worte, die ich am wenigsten mag, beschreibt ausgerechnet eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Masturbation. Das Wort „Masturbation“ kommt aus dem Lateinischen und meint so viel wie „etwas mit den Händen beflecken“. Also das ist bestimmt nicht das, was ich tue, wenn ich mich mit mir selbst vergnüge. Und du?
  • Alternativ haben wir noch die Babysprache zur Verfügung: Dann gehst du Pipimachen und packst dafür dein Schnäbeli oder Schlitzli aus der Hose. Auf diese Weise bleiben viele Teile unserer erotischen Ausstattung unbenannt. Oder hat dir als Kind jemand etwas über deine Klittie erzählt?
  • Weiter können wir versuchen über Sexualität zu reden, ohne überhaupt eine Bezeichnung für Genitalien oder Vorgänge zu benutzen. Verschämte, unklare und mehrdeutige Ausdrücke wie „da unten“, „es tun“, „dein Ding“, „hinten rum“ und „es tun“ bereiten jedoch den Boden für jede Menge Missverständnisse. Mit solchen Worten fällt es schwer, Grenzen zu stecken, Vereinbarungen zu treffen oder um bestimmte Handlungen zu bitten.
  • Dann bleiben noch die sogenannten schmutzigen Ausdrücke. Die Umgangs- oder Vulgärsprache hat diese schlimmen, aufregend verbotenen und gewagten Ausdrücke erfunden. Wir haben sie bereits im Kindergarten gelernt. Und was ist nun schlimm und schmutzig an unseren fantastischen Körperteilen und all den erregenden Dingen, die wir mit ihnen tun können? Die Tabuisierung oder gar das verbieten solcher Ausdrücke verkündet die klare Botschaft: Sexualität ist etwas beschämendes und abstossendes. Interessant ist auch, dass solche Wörter oft als Beleidigung und kaum als Kompliment empfunden werden: Schwanz, Arschloch oder Fotze. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass unsere Kultur sexuelle Aktivitäten ins Reich der Schatten verbannt hat.

So ist eine klare und unbelastete Unterhaltung über Sex so gut wie unmöglich geworden. Und wenn wir es ernst meinen, bleibt uns eigentlich nur die Wahl zwischen medizinischen und umgangssprachlichen Ausdrücken.

In meiner Arbeit mit dir während den Sessions verwende ich grundsätzlich die medizinische Sprache. Währenddessen ich hier auf dieser Webseite gerne auch umgangssprachliche Wörter verwende, um das Thema unserer sprachlichen Verwirrung aufzubringen. Und wie sollen denn die Umgangswörter sonst breitere Akzeptanz erlangen und „normal“ werden, als durch deren Benutzung?

Hinweis: Der obige Text ist sehr stark angelehnt und teilweise exakt übernommen aus dem wundervollen Buch Entfalte dein erotisches Potential von Sheri Winston, Seite 37 – 40. Der Untertitel des Buches lautet: Landkarte zur Erkundung der weiblichen Sexualität.